Die Kosten für den Pkw-Führerschein liegen in Deutschland im Schnitt bei 3.400 Euro. In einzelnen Regionen erreichen sie bis zu 4.500 Euro. Nun plant Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder eine Reform. Sie soll die Ausbildung günstiger und weniger bürokratisch machen. Ein zentrales Element ist die Einbindung von Freunden und Familie in die praktische Schulung. Bereits zuvor wurde über die Führerscheinreform diskutiert. Künftig dürfen nahe Angehörige oder Freunde einen Teil der Fahrausbildung übernehmen. Das Modell orientiert sich an Österreich. Es ist zunächst auf fünf Jahre befristet. Danach erfolgt eine Auswertung.
Inhaltsverzeichnis
- Patrick Schnieder und das Modell Österreich
- Fahrschulen und digitale Theorie
- TÜV, Dekra und hohe Durchfallquoten
- Belgien, Luxemburg und Preisvergleich
Patrick Schnieder und das Modell Österreich
Die geplante Regelung betrifft ausschließlich den Führerschein der Klasse B. Laienausbilder können besonders nahestehende Personen sein. Nicht nur Eltern. Auch ältere Geschwister oder enge Freunde kommen infrage.
Voraussetzungen gelten bundesweit:
- Besitz der Fahrerlaubnis Klasse B seit mindestens 7 Jahren
- Kein Entzug der Fahrerlaubnis in den vergangenen 3 Jahren
- Maximal 1 Punkt im Fahreignungsregister in Flensburg
Die praktische Übungsphase umfasst 1.000 Kilometer. Vor und nach dieser Phase müssen jeweils 6 Fahrstunden in einer Fahrschule absolviert werden. Während der Übungsfahrten ist das Fahrzeug zu kennzeichnen. Vorgeschrieben sind:
- Eine blaue Tafel mit weißer Aufschrift L
- Eine zusätzliche Tafel mit der Aufschrift Übungsfahrt
Ob alle Bundesländer teilnehmen, ist offen. Das Bundesministerium für Verkehr strebt eine bundeseinheitliche Lösung an.
Fahrschulen und digitale Theorie
Die Reform betrifft auch den Theorieunterricht. Fahrschulen dürfen künftig selbst entscheiden, in welchem Format sie den Unterricht anbieten. Präsenzunterricht bleibt möglich. Ebenso digitale Formate. Diese Freiheit gilt für alle Fahrzeugklassen.
Zudem entfallen zahlreiche Detailvorgaben. Bisher waren unter anderem festgelegt:
- Quadratmeterzahl pro Schüler
- Volumen der Raumluft
- Größe der Schreibunterlage
Schnieder kritisiert die bisherige Praxis deutlich. „Über Jahrzehnte wurde ein komplexes Regelungsgebilde aufgebaut“, sagt er. Weiter erklärt er „Das ist bürokratischer Irrsinn“. Viele dieser Bestimmungen sollen gestrichen werden.
Auch die Prüfungsanforderungen ändern sich. Der Fragenkatalog für die Theorieprüfung sinkt von 1.169 auf 840 Fragen. Bei den Sonderfahrten ist eine deutliche Reduzierung vorgesehen. Statt 12 verpflichtender Fahrten nachts, auf Autobahnen oder Landstraßen sollen künftig 3 genügen. Fahrsimulatoren können verstärkt eingesetzt werden, etwa zum Üben mit Schaltgetriebe.
TÜV, Dekra und hohe Durchfallquoten
Die Reform stößt auf Kritik. Der TÜV warnt vor einer pauschalen Absenkung von Anforderungen. Wörtlich heißt es „Kritisch sind Vorschläge, die auf eine pauschale Absenkung von Anforderungen bei der Fahranfängervorbereitung hinauslaufen und damit die Verkehrssicherheit gefährden“.
Schnieder widerspricht. „Keiner unserer Vorschläge geht zulasten der Verkehrssicherheit“, versichert Schnieder. Er verweist auf Belgien, Luxemburg und Österreich. Dort seien niedrigere Standards nicht mit unsicherem Straßenverkehr verbunden.
Die Zahlen zeigen Handlungsbedarf. Laut TÜV scheiterten im vergangenen Jahr 41 Prozent der Fahrschüler an der Theorieprüfung. Fast jeder dritte Prüfling fiel durch die praktische Prüfung. Insgesamt wurden über alle Klassen hinweg mehr als 2 Millionen Prüfungen abgelegt. Die Entwicklung passt zu Berichten über hohe Durchfallquoten bei jungen Bewerbern.
Belgien, Luxemburg und Preisvergleich
In Belgien kostet der Führerschein durchschnittlich 2.000 Euro, in Luxemburg rund 1.500 Euro. Damit liegt Deutschland deutlich höher. Mehr Transparenz soll Wettbewerb fördern. Fahrschulen sollen künftig ihre Preise an eine zentrale Datenbank des Bundesministeriums übermitteln.
Geplant ist zudem, dass Prüforganisationen wie Dekra ihre Statistiken einspeisen. Vergleichsportale könnten daraus Übersichten erstellen. Einen Überblick über weitere Änderungen für Autofahrer gibt es hier.
| Land | Durchschnittskosten Pkw-Führerschein |
|---|---|
| Deutschland | 3.400 Euro |
| Belgien | 2.000 Euro |
| Luxemburg | 1.500 Euro |
Die Reform soll Ende März auf der Verkehrsministerkonferenz mit den Ländern abgestimmt werden. Danach beginnt das Gesetzgebungsverfahren. Wann konkrete Preisvorteile eintreten, bleibt offen. Schnieder erklärt „Es wird nicht gleich billiger sein“.
Weitere Informationen zur Verkehrspolitik bietet das Bundesministerium für Verkehr unter https://www.bmv.de/DE/Home/home.html.
FAQ
Was ist das Ziel der Führerscheinreform 2026?
Die Reform soll den Führerschein in Deutschland günstiger machen, Bürokratie abbauen und die Ausbildung flexibler gestalten, ohne die Verkehrssicherheit zu senken.
Wer darf künftig als Laienausbilder auftreten?
Nahe Angehörige oder enge Freunde dürfen Fahrschüler begleiten, wenn sie seit mindestens sieben Jahren den Führerschein Klasse B besitzen, in den vergangenen drei Jahren keinen Entzug hatten und höchstens einen Punkt in Flensburg haben.
Wie viele Kilometer müssen bei der Laienausbildung gefahren werden?
Die praktische Übungsphase umfasst 1.000 Kilometer. Zusätzlich sind vor und nach der Übungszeit jeweils sechs verpflichtende Fahrstunden in einer Fahrschule vorgesehen.
Welche Änderungen gibt es bei der Theorieprüfung?
Der Fragenkatalog für die theoretische Prüfung wird von 1.169 auf 840 Fragen reduziert. Zudem dürfen Fahrschulen den Unterricht flexibler, auch digital, anbieten.
Wie verändern sich die verpflichtenden Sonderfahrten?
Die Zahl der vorgeschriebenen Sonderfahrten wird von bisher zwölf auf künftig drei reduziert. Dazu zählen Fahrten bei Nacht, auf Autobahnen oder im Überlandverkehr.
Wie hoch sind die aktuellen Durchschnittskosten für den Pkw-Führerschein?
In Deutschland liegen die durchschnittlichen Kosten bei 3.400 Euro. In manchen Regionen können sie bis zu 4.500 Euro betragen. In Belgien kostet der Führerschein im Schnitt 2.000 Euro, in Luxemburg rund 1.500 Euro.
Wie hoch sind die Durchfallquoten bei den Prüfungen?
41 Prozent der Fahrschüler scheiterten zuletzt an der theoretischen Prüfung. Fast jeder dritte Prüfling musste die praktische Prüfung wiederholen.
Quelle: HAMBURGER ABENDBLATT, PATIZONET