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Nicht alles ist wirklich drin
Nicht alles ist wirklich drin, Foto: pixabay

Immer mehr Händler preisen ihre Gebrauchtwagen mit dem Zusatz „Vollausstattung“ an. Doch was auf den ersten Blick nach einem perfekt ausgestatteten Fahrzeug klingt, ist häufig ein übertriebenes Verkaufsversprechen. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich: Eine echte Vollausstattung ist die Ausnahme – wenn es sie überhaupt gibt. Besonders bei hochpreisigen Modellen fehlen trotz üppiger Ausstattung oft zentrale Extras. Die Gründe dafür liegen sowohl in den Herstellungsoptionen als auch in Verkaufsstrategien.

Inhaltsverzeichnis:

Mercedes E 350 4matic aus Frankfurt ohne Sitzheizung hinten

Ein Beispiel liefert der Mercedes E 350 4matic (W 212) aus dem Jahr 2014, angeboten von einem Händler aus dem Raum Frankfurt. Der Sechszylinder mit 3,5 Litern Hubraum bietet unter anderem:

  • elektrische Ledersitze
  • Sitzklimatisierung vorn
  • schlüsselloses Zugangssystem
  • Glasschiebedach
  • LED-Lichtsystem
  • Assistenzsysteme der Oberklasse

Trotz dieser umfassenden Ausstattung fehlen relevante Details, darunter Sitzheizung im Fond, ein elektrisches Heckrollo oder eine Standheizung. Auch der Nachtsichtassistent ist nicht an Bord. Von „Vollausstattung“ kann daher keine Rede sein, obwohl der Begriff mehrfach im Inserat auftaucht.

BMW 750 Li xDrive aus München ohne Fond-Entertainment

Noch deutlicher ist das Beispiel eines BMW 750 Li xDrive (Baujahr 2019), angeboten in München. Trotz eines Neupreises von über 200.000 Euro weist auch dieses Fahrzeug Lücken auf. An Bord sind unter anderem:

  • 4,4-Liter-V8-Motor
  • Allradantrieb
  • 8-Gang-Automatik
  • klimatisierte Sitze
  • Sitzheizung hinten
  • elektrische Sonnenrollos

Es fehlen jedoch Ausstattungen, die viele Kunden bei dieser Fahrzeugklasse erwarten, wie eine Einzelsitzanlage im Fond, Massagesitze hinten oder ein belederter Dachhimmel. Auch das Sportpaket, besonders beliebt bei dieser Modellreihe, ist nicht enthalten. Der Begriff „absolute Vollausstattung“ entspricht hier nicht der Realität.

Porsche, VW und Opel: Vollausstattung auch bei Mittelklasse?

Nicht nur Oberklassefahrzeuge werden mit der Beschreibung „Vollausstattung“ beworben. Auch Modelle wie der VW Tiguan, Porsche Cayman oder Opel Astra tragen diesen Titel. Dabei kann eine tatsächliche Vollausstattung technisch nicht möglich sein.

Viele Ausstattungen lassen sich nicht miteinander kombinieren. So kann ein BMW M4 mit Karbondach beispielsweise kein Schiebedach besitzen. Ein Sportsitz aus Alcantara ist oft nicht klimatisiert. Große Felgen erfordern Sportpakete, die wiederum andere Optionen ausschließen. Die Listen der Sonderausstattungen sind lang, aber nicht alle Pakete passen zusammen.

Weitere typische Inkompatibilitäten:

  1. Nachtsichtassistent vs. Sportpaket
  2. Schiebedach vs. Leichtbaudach
  3. Massagesitze vs. Einzelsitzanlage
  4. Alcantara-Dachhimmel vs. Panorama-Glasdach

Die Aussage „alles drin“ hält häufig der Realität nicht stand.

Ausstattung prüfen mit Fahrzeug-Identifizierungsnummer

Wer die Ausstattung eines Gebrauchtwagens genau prüfen möchte, sollte die Fahrzeug-Identifizierungsnummer (FIN) nutzen. Sie ermöglicht:

  • den Abruf der originalen Ausstattungsdetails beim Hersteller
  • die Kontrolle nachgerüsteter Extras
  • den Vergleich mit der Inseratsbeschreibung

Bei nachträglichen Einbauten ist Vorsicht geboten. Elemente wie LED-Scheinwerfer, Sitzheizungen oder Soundanlagen können bei unsachgemäßem Einbau Probleme verursachen. Komplikationen mit Bordnetz und Elektronik sind keine Seltenheit, wenn Nachrüstungen nicht durch Fachbetriebe erfolgt sind.

Besonders bei komplexen Systemen wie Klimasitzen oder Assistenzmodulen sollten Käufer eine Fachwerkstatt zur Kontrolle aufsuchen.

Importmodelle mit festen Ausstattungspaketen

Einige Importmarken erleichtern den Überblick durch vorkonfigurierte Ausstattungspakete. Diese Pakete reduzieren die Vielfalt der Sonderausstattungen und bieten Klarheit für Käufer. Allerdings unterscheiden sich diese Pakete oft je nach Markt. In Asien oder Nordamerika erhältliche Versionen bieten teilweise andere Motoren oder Serienausstattungen als europäische Modelle.

Beim Kauf eines Importfahrzeugs sollte besonders auf die Ausstattung geachtet werden, da diese nicht immer mit den europäischen Standards übereinstimmt.

Nur ein Abgleich mit der offiziellen Ausstattungsliste liefert Gewissheit über die tatsächliche Konfiguration des Wagens.

Quelle: Focus