Wer jetzt keine Winterreifen montiert hat, riskiert mehr als ein Bußgeld. In Deutschland gilt keine feste, sondern eine situative Winterreifenpflicht. Sie greift bei Glatteis, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte. Entscheidend ist also das Wetter – nicht der Kalender. Verstöße werden mit bis zu 80 Euro und einem Punkt in Flensburg geahndet.
Inhaltsverzeichnis:
- Neue Regeln für das Alpine-Symbol
- Ganzjahresreifen im Vergleich zu Winter- und Sommerreifen
- Reifenalter und Profiltiefe
- EU-Reifenlabel und QR-Code
- Reifenwechsel und Lagerung
Neue Regeln für das Alpine-Symbol
Seit dem 30. September 2024 sind nur noch Reifen mit dem sogenannten Alpine-Symbol (3PMSF) als Winterreifen zugelassen. Die alte M+S-Kennzeichnung reicht nicht mehr aus. Das Symbol garantiert geprüfte Schneetraktion nach UN-ECE-R 117.
Geeignet sind:
- Winterreifen mit 3PMSF
- Ganzjahresreifen mit 3PMSF
- Keine M+S-Reifen ohne Schneeflocke
Fahrzeuge wie Motorräder oder landwirtschaftliche Maschinen sind ausgenommen. Wer in Regionen mit starkem Schneefall fährt, etwa in den Alpen, sollte weiterhin auf klassische Winterreifen setzen. Mehr zur rechtlichen Situation für Autofahrer erfährst du in diesem Beitrag über neue Pflichten und Kosten für Autofahrer 2026.
Ganzjahresreifen im Vergleich zu Winter- und Sommerreifen
Ganzjahresreifen sind ein Kompromiss. Sie gelten rechtlich als Winterreifen, wenn das Alpine-Symbol vorhanden ist. In der Praxis schneiden sie aber in Tests unterschiedlich ab.
| Reifentyp | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|
| Winterreifen | Beste Haftung bei Schnee, Eis, niedrigen Temperaturen | Höherer Verschleiß im Sommer |
| Sommerreifen | Gute Leistung bei Wärme, geringerer Verbrauch | Kein Grip bei Frost oder Schnee |
| Ganzjahresreifen | Kein Wechsel nötig, alltagstauglich für Stadtverkehr | Schwächer bei Extremwetter, Kompromissleistung |
In Österreich gilt eine Mindestprofiltiefe von 4 mm (Radialreifen), in Italien dürfen Ganzjahresreifen vom 16. Mai bis 14. Oktober nur verwendet werden, wenn der Geschwindigkeitsindex mit der Zulassung übereinstimmt.
Reifenalter und Profiltiefe
Reifen bestehen aus Gummi, das mit der Zeit aushärtet. Ab einem Alter von sechs Jahren nimmt die Haftung messbar ab. Der ADAC rät, Winterreifen spätestens nach acht Jahren zu ersetzen. Das Alter erkennt man an der DOT-Nummer: Die letzten vier Ziffern geben Produktionswoche und -jahr an, z. B. „4924“ = Woche 49 im Jahr 2024.
Der Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseurhandwerk (BRV) definiert:
- bis 3 Jahre alt: fabrikneu
- bis 5 Jahre: neu
- über 8 Jahre: ersetzen
Für Anhänger mit Tempo-100-Zulassung gilt: Reifen dürfen nicht älter als sechs Jahre sein.
Auch die Profiltiefe ist entscheidend. Gesetzlich sind 1,6 mm erlaubt, empfohlen werden 4 mm. Ein abgenutztes Profil verlängert den Bremsweg und erhöht das Risiko von Aquaplaning.
EU-Reifenlabel und QR-Code
Seit 2021 informiert das EU-Reifenlabel über Energieeffizienz, Nasshaftung und Außengeräusch. Zusätzlich zeigen Winterreifen zwei Symbole: das Alpine-Symbol und das Eis-Grip-Zeichen (nur für nordische Reifen relevant). Ein QR-Code führt direkt zur EPREL-Datenbank mit offiziellen Produktdaten.
Die Klassen A–E stehen für:
- Energieeffizienz (Rollwiderstand): Unterschied A–E = ca. 0,5 l pro 100 km
- Nasshaftung: bis zu 18 m Unterschied im Bremsweg aus 80 km/h
- Außengeräusch: in Dezibel mit Einstufung A/B/C
Weitere technische Details zur Fahrzeugentwicklung finden Sie im Artikel über den neuen Volkswagen T-Roc mit Hybridtechnik.
Reifenwechsel und Lagerung
Vor dem Wechsel ist eine Kontrolle der Reifentemperatur wichtig. Die optimale Montage erfolgt bei 20 °C. Außerdem sollten Profiltiefe, Laufrichtung („Rotation“) und Beschädigungen überprüft werden.
Checkliste:
- Reifentemperatur prüfen (15–25 °C)
- Profiltiefe messen
- Laufrichtung beachten
- Werkzeug bereitlegen (Wagenheber, Drehmomentschlüssel, Radkreuz)
Beim Lagern gilt: kühl, dunkel, trocken, gut belüftet. Kompletträder am besten liegend oder hängend aufbewahren. Reifen ohne Felgen senkrecht stellen und regelmäßig drehen. Feuchtigkeit, Hitze und Chemikalien beschleunigen die Alterung.
Einen Überblick zu aktuellen Fahrzeugkosten und Unterhalt bietet der Beitrag Autokosten im Vergleich.
Fazit: Winterreifen mit dem 3PMSF-Symbol sind ab Herbst 2024 Pflicht. Das Einhalten von Profiltiefe, Alter und Druck ist entscheidend für Sicherheit und Haftung. Wer sich rechtzeitig informiert und vorbereitet, spart Geld und vermeidet Bußgelder.
Quelle: FOCUS online, WEBRIVAIG