Die Zahl der neu zugelassenen Elektroautos in Deutschland erreichte im ersten Halbjahr 2025 ein Rekordniveau. Das Kraftfahrtbundesamt sprach von einem „Rekordhalbjahr“, während der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe von einer anhaltenden Flaute im Handel berichtete. Zwischen offiziellen Zahlen und realer Nachfrage klafft damit eine deutliche Lücke.
Inhaltsverzeichnis:
- Kritik von Thomas Peckhuhn und ZDK
- BMW, Volkswagen und Eigenzulassungen
- Eigenzulassungen bei Volkswagen und BYD
- Zahlen im Vergleich 2023 bis 2025
- Druck durch CO2-Vorgaben
- Forderungen nach politischer Unterstützung
Kritik von Thomas Peckhuhn und ZDK
ZDK-Präsident Thomas Peckhuhn machte deutlich, dass die offiziellen Statistiken die Lage am Markt verzerren. Laut Verband sind es vor allem Eigenzulassungen von Herstellern und Händlern, die die Zahlen künstlich nach oben treiben. Das bedeutet, dass viele Fahrzeuge nicht von privaten Käufern, sondern direkt von Autobauern oder Autohäusern angemeldet werden.
Besonders betroffen seien batterieelektrische Fahrzeuge. Peckhuhn betonte, dass ein großer Teil der Zulassungen auf Flottengeschäfte oder taktische Maßnahmen zurückgehe. Echte Kundennachfrage fehle. Der Verband spricht von einer „Stimulation der Statistik ohne Wertschöpfung im Automobilmarkt“.
- Eigenzulassungen verfälschen die Zahlen der Neuzulassungen.
- Private Nachfrage stagniert seit Monaten.
- Gewerbliche Käufe bleiben ebenfalls auf einem niedrigen Niveau.
BMW, Volkswagen und Eigenzulassungen
Der Autobauer BMW widersprach dieser Darstellung. Nach Unternehmensangaben seien die Zulassungen im ersten Halbjahr 2025 nicht überproportional von Eigenzulassungen geprägt. BMW und Mini sehen als Wachstumstreiber private und gewerbliche Kunden.
Volkswagen erklärte hingegen, dass Eigenzulassungen verschiedene Kategorien umfassen. Dazu zählen:
- Test- und Erprobungsfahrzeuge
- Dienstwagen für Führungskräfte
- Leasingfahrzeuge für Mitarbeiter
- Vorführwagen im Handel
Rabattprogramme spielten ebenfalls eine Rolle. Händler würden dazu gebracht, Neuwagen auf sich selbst zuzulassen, um sie später günstiger verkaufen zu können. Experten wie Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management erklärten, dass dies die Margen der Händler drücke.
Eigenzulassungen bei Volkswagen und BYD
Eigenzulassungen sind kein neues Phänomen. Laut Kraftfahrtbundesamt liegt der Anteil gewerblicher Neuzulassungen generell bei zwei Dritteln. Volkswagen meldete für Juli 2025 einen Eigenzulassungsanteil von 24 Prozent.
Auch der chinesische Hersteller BYD nutzt diese Strategie. Das Unternehmen bestätigte, deutsche Händlerbetriebe mit Demofahrzeugen auszustatten. Hintergrund ist der Aufbau eines neuen Händlernetzes in Deutschland. So gelangen mehr Elektrofahrzeuge in den Markt und werden für Kunden sichtbar.
Zahlen im Vergleich 2023 bis 2025
Der Zentralverband des Kfz-Gewerbes legte konkrete Zahlen vor:
- 65.401 Eigenzulassungen von E-Autos im ersten Halbjahr 2025
- Mehr als doppelt so viele wie im gleichen Zeitraum 2023
- Eigenzulassungen der Hersteller allein haben sich vervierfacht
- Gegenüber 2024 stieg die Zahl um 25 Prozent
Beatrix Keim vom Center of Automotive Research weist darauf hin, dass der Vergleich mit 2023 schwierig sei. Damals endete die Förderung privater Käufe. Trotzdem ist der Anstieg gegenüber 2024 deutlich.
Druck durch CO2-Vorgaben
Ein wesentlicher Grund für die Zunahme sind Vorgaben der Europäischen Union. Hersteller müssen bis 2027 rund 25 Prozent ihrer Fahrzeuge als E-Autos verkaufen, um Strafzahlungen zu vermeiden. Bratzel erklärte, dass Eigenzulassungen helfen, den Flottenwert zu senken. Fahrzeuge gelten nach einer Kurzzulassung als gebraucht und können günstiger angeboten werden.
Diese Praxis wirkt wie eine indirekte Rabattaktion. Für Käufer kann das attraktiv sein, da Fahrzeuge preiswerter auf den Markt kommen.
Forderungen nach politischer Unterstützung
Experten fordern mehr staatliche Anreize für private Käufer. Der Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur gilt als wichtigste Maßnahme. Besonders für Menschen in Mietwohnungen ohne eigene Garage ist die Verfügbarkeit von Ladesäulen entscheidend.
Zudem bleibt der Strompreis ein zentrales Thema. Viele Kunden entscheiden sich nur dann für ein Elektroauto, wenn die Betriebskosten niedrig sind. Eine Umfrage des ZDK zeigt:
- Ausbau der Ladeinfrastruktur hat höchste Priorität.
- Senkung der Stromkosten ist dringend erforderlich.
- Zusätzliche Förderungen könnten Nachfrage steigern.
Ohne politische Maßnahmen bleibt der Erfolg der Elektromobilität unsicher. Hersteller treiben ihre Zulassungen voran, doch die Nachfrage von privaten Käufern stagniert weiter.
Quelle: Tagesschau