Der Rückgang der Verkaufszahlen bei Tesla wirkt sich weltweit aus. Besonders betroffen ist das Werk in Grünheide bei Berlin. Die Verluste treffen den Konzern in einer Zeit, in der Elon Musk sich stärker auf politische Ambitionen und Weltraumpläne konzentriert.
Inhaltsverzeichnis:
- Donald Trump und Elon Musk im offenen Streit
- Teslas Krise auf dem US-Markt
- Schwäche in China und Europa
- Rückgang trifft auch Werk in Grünheide
- Technische Rückstände und Robotaxi-Projekt
- Europa bleibt Problemmarkt für Tesla
Donald Trump und Elon Musk im offenen Streit
Die einst enge Verbindung zwischen Elon Musk und Donald Trump ist zerbrochen. Grund dafür war Musks Kritik an Trumps Steuer- und Haushaltsgesetz. Dieses erhöhe die Staatsverschuldung, anstatt sie zu senken. Trump reagierte scharf. Er warf Musk vor, nur wütend zu sein, weil neue Regelungen den Steuervorteil beim Kauf von Tesla-Fahrzeugen abschaffen würden. Das Duell verlagerte sich schnell auf soziale Netzwerke.
Der Streit hatte direkte wirtschaftliche Folgen. Anleger reagierten nervös. Am 5. Juni verlor die Tesla-Aktie mehr als 14 Prozent ihres Werts. Der Börsenwert sank um rund 153 Milliarden US-Dollar. Tesla wurde vom Vorreiter zum Sorgenkind. Die Marke verlor weltweit an Attraktivität, vor allem bei treuen Anhängern.
Teslas Krise auf dem US-Markt
Der Rückgang ist in den USA besonders sichtbar. In den ersten sechs Monaten 2025 wurden dort nur rund 255.000 Fahrzeuge verkauft. Das entspricht einem Minus von 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Im zweiten Quartal sank der Absatz um 16,7 Prozent. Im Vergleich dazu konnte General Motors seine Verkaufszahlen bei E-Autos steigern.
Ein Grund für die Entwicklung ist die wachsende Kritik an Elon Musks Führungsstil. Analyst Jed Dorsheimer erklärte offen, dass Investoren erwarten, dass sich ein Geschäftsführer um sein Unternehmen kümmert. Musks Fokus liegt aber zunehmend auf seiner Raumfahrtfirma und politischen Ambitionen. Für viele Aktionäre ein schlechtes Zeichen.
Schwäche in China und Europa
Auch in China schwächelt der US-Konzern. Im Juni fiel der Marktanteil bei sogenannten "Neuen Energie-Fahrzeugen" von 6,92 Prozent auf 5,53 Prozent. Im Mai 2025 wurden nur 38.588 Fahrzeuge verkauft – ein Rückgang um 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Von Januar bis Mai gingen die Zulassungen um 7,8 Prozent zurück.
In Europa ist die Situation nicht besser. Im Juni wurden in Deutschland nur 1.860 Teslas zugelassen – ein Minus von 60 Prozent. Im ersten Halbjahr 2025 betrug der Rückgang 58,2 Prozent. Auch in anderen europäischen Ländern sieht es ähnlich aus. Die Verkäufe gingen im April um 52,6 Prozent zurück, im gesamten ersten Quartal sogar um 46,1 Prozent.
| Zeitraum | Region | Verkäufe 2024 | Verkäufe 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|---|
| Januar–Juni | USA | 293.000 | 255.000 | –13 % |
| Q2 | USA | 150.000 | 125.000 | –16,7 % |
| Mai | China | 55.126 | 38.588 | –30 % |
| Januar–Mai | China | – | – | –7,8 % |
| Juni | Deutschland | 4.650 | 1.860 | –60 % |
| Januar–Juni | Deutschland | 21.270 | 8.890 | –58,2 % |
| April | Europa ges. | 11.546 | 5.475 | –52,6 % |
| Januar–April | Europa ges. | 77.357 | 41.677 | –46,1 % |
Rückgang trifft auch Werk in Grünheide
Das Tesla-Werk in Grünheide bei Berlin produziert das Model Y für den Export in mehr als 30 Länder. Doch auch hier sind die Folgen der Absatzkrise spürbar. Im Rahmen des weltweiten Stellenabbaus – rund 10 Prozent der Belegschaft – wurden 400 Festangestellte entlassen. Für etwa 2.500 Leiharbeiter ist der Einsatz bei Tesla bereits beendet.
Die Produktionskapazität liegt derzeit bei etwa 5.000 Fahrzeugen pro Woche. Das ergibt rund 250.000 Fahrzeuge pro Jahr – deutlich weniger als das ursprüngliche Ziel von einer Million. Zudem bereitet der rückläufige Verkauf der Logistik Probleme. Fahrzeuge werden inzwischen auf dem früheren Flugplatz Neuhardenberg zwischengelagert. Ausbaupläne für die Fabrik wurden vorerst gestoppt.
Technische Rückstände und Robotaxi-Projekt
Ein weiteres Problem ist die alternde Fahrzeugplattform. Das Model S basiert auf einer bis zu 13 Jahre alten Architektur. Auch das Infotainment und die autonomen Systeme sind veraltet. Chinesische Hersteller wie BYD oder Xiaomi bieten inzwischen modernere Lösungen an. Besonders das autonome System "God’s Eye C" von BYD gilt als technologisch führend.
Tesla setzt auf einen Neuanfang mit dem Robotaxi-Projekt. In Austin soll der Dienst starten, bald auch in der Region um San Francisco. Doch der Start verlief holprig, auch wegen Unfällen. Laut Experten ist das Robotaxi für Teslas Zukunft entscheidend. Die Bewertung des Unternehmens hängt stark vom Erfolg dieses Projekts ab.
Europa bleibt Problemmarkt für Tesla
Elon Musk selbst hat eingeräumt, dass Europa ein Problemfall für Tesla ist. Die rückläufigen Zahlen und der starke Wettbewerb – insbesondere aus Deutschland und China – setzen den Konzern unter Druck. Auch wenn das Supercharger-Netz und die Effizienz der Fahrzeuge nach wie vor Pluspunkte sind, reicht das nicht mehr aus.
Langfristig braucht das Werk Grünheide eine stabile Auslastung. Laut Klaus Schmitz von der Unternehmensberatung Arthur D. Little ist dies entscheidend, um wirtschaftlich zu arbeiten. Tesla hat zwar bereits auf das überarbeitete Model Y umgestellt, aber die positiven Effekte auf den Absatz sind bisher kaum spürbar.
Die weltweite Absatzkrise, technologische Rückstände und strategische Unsicherheiten stellen Tesla aktuell vor seine größte Herausforderung seit der Gründung. Die kommenden Monate werden zeigen, ob Elon Musk den Fokus wieder auf das Kerngeschäft richten kann – oder ob andere Hersteller die Lücke endgültig schließen.
Quelle: Focus, YouTube